Warum mit Holz heizen, wenn angeblich auf lange Sicht Erdgas erheblich günstig wird?

Vom neuen Gasboom berichten derzeit alle Medien. Sollen also Verbraucher auf Gasheizungen setzen? Diplom Volkwirt Gerald Härtlein mahnt bei euphorischen Pressemeldungen genau hinzusehen: „Wenn beispielsweise die Financial Times oder die Deutsche Bank Research von nahezu unerschöpfliche Gasvorkommen in den USA oder Europa sprechen, sind sie letzten Endes nur daran interessiert, dass man entsprechende Wertpapiere kauft. Auch von den Goldräuschen im 19. Jahrhundert profitierten letztendlich die Spekulanten mehr als die Goldgräber. Nach jedem Rausch kommt der Kater. Hoffentlich nicht bei Ihnen in Form einer neuen Gasheizung, die dann 15 Jahre in Ihrem Keller günstig schnurren soll.“

Hat die Gaswirtschaft aber doch eine Antwort auf schrumpfende konventionelle Vorräte gefunden? Beim „Fracking“ werden Wasser, Chemikalien und Sand durch ein Bohrloch gepresst und Gestein aufgerissen. So wird „unkonventionelles Gas“ aus Schieferstein oder Flözen gelöst. Die USA haben sich mit dieser Technik zum größten Gasproduzenten der Welt aufgeschwungen (DER SPIEGEL 5/13).

Doch „Fracking“ gefährdet nicht nur die Umwelt. Es ist offenkundig auch weniger ergiebig als weisgemacht. Selten wird in den Medienberichten erwähnt, dass für den amerikanischen Gasboom im Jahr 2009 bereits 461.388 Bohrungen (Quelle eia) nötig waren. Nach einem „Schneeballprinzip“ müssen die Bohrungen immer weiter ansteigen um auch entsprechende Gasmengen zu fördern.

Schon 2011 veröffentlichte die New York Times interne Schreiben der Erdgasindustrie, die die Wirtschaftlichkeit der unkonventionellen Gasförderung bezweifelten. Nur wenige Bohrungen erfüllen tatsächlich die Erwartungen und Versprechungen der Unternehmen. Abfallraten von 60 bis 90 Prozent in den ersten Monaten waren keine Seltenheit. Meistens wurde schon nach zwei Jahren der Tiefpunkt der Förderung erreicht. Lediglich 10 Prozent der zwischen 2003 bis 2009 untersuchten Bohrungen liefen kostendeckend.

Text: Gerald Härtlein

Quellen:

„New York Times“-Artikel
Artikel zur Ergiebigkeit unkonventioneller Erdgasförderung mit Orginalquellen